Der Seelenbrecher

Sommerferien 2011, voraussichtlich die letzten in meinem Leben. Ich habe eine Woche sturmfrei, welche jedoch morgen abend bereits wieder vorbei ist, was ich nicht für negativ halte, denn die Woche war nicht so wundervoll, wie ich sie mir einst vorgestellt habe.

Sie begann letzten Samstag, als mich mein Freund in seiner Heimat am Bahnhof abholte. Ich hatte vor, eine Nacht bei ihm zu bleiben, damit wir am Sonntag gesund und munter zusammen weiter zu mir fahren könnten. Doch es verlief anders, als ich es mir vorgestellt hatte. Er wollte sonntags nicht mit zu mir, wie so oft in letzter Zeit. Wenn ich bei ihm bin ist seine Welt rosa, wünsche ich mir, dass er mich besuchen kommt, dann will er nicht, und seine Laune schlägt quasi von rosa auf schwarz um. Ich kann mir nicht erklären, wieso das im Moment so ist, und ich bin mir nicht einmal mehr sicher, ob nur ich das so sehe und sonst niemand...

Demnach blieb ich also noch eine weitere Nacht bei ihm, obwohl ich nach zwei Wochen (ich kam aus dem Urlaub), auch gerne mal wieder in meinem eigenen Bett geschlafen hätte. Aber wenn es ihn doch glücklich macht...So fuhren wir also vergangenen Montag gemeinsam zu mir und ich war so froh endlich wieder zu Hause zu sein. Bloß ihm schien es nicht so gut zu gefallen wie mir, weshalb ich mit aller Kraft versuchte, ihm die kommenden Tage so schön wie möglich zu machen. Ich glaube, dass dies mir zwischenzeitlich auch sehr gut gelungen ist, da mir wir beide ziemlich glücklich zu sein schienen. Dieses Hoch hielt dann immer an, bis mich einer meiner Freunde versuchte zu erreichen. Noch nie zuvor hat er mir seine Ablehnung ihnen gegenüber so deutlich gemacht. Solange er bei mir war durfte ich sie nicht einladen, weder zum Kaffee, noch zum grillen, noch zu sonst irgendwas. Er sagte, er würde sie nicht aushalten, dabei sind es doch meine besten Freunde. Doch ich wollte nicht, dass er wohlmöglich gehen würde, weshalb ich die Zweisamkeit zwischen uns bewahrte. Trotzdem ging er am Donnerstag fort. Es tat weh, dieses Gefühl allein zu sein. Am Abend jedoch, als sich die kommende Nacht bereits bemerkbar machte, nahm mich dieses unwohle Gefühl der Einsamkeit immer mehr ein. Ich konnte und ich wollte die Nacht nicht alleine in einem dunklen leeren Haus verbringen. Also rief ich ihn an und bat ihn darum, bitte wieder zu mir zurückzukommen. Eine kurze Zugfahrt schien für ihn jedoch unmöglich, woraufhin ich meine Schlüssel nahm und zum Bahnhof lief. Bald war ich bei ihm!

Der Tag endete wohlwollend, wir verstanden uns gut und ich musste nicht allein sein. Doch der heutige Morgen begann bereits schrecklich. Wir sind noch nicht einmal richtig wach gewesen und schon war die Stimmung zwischen uns sehr angespannt. Er wusste genauso gut wie ich woran das lag. Heute Abend ist der Abend aller Abende. Der Letzte, um genau zu sein, an dem wir alle zusammen grillen und was trinken wollen. Natürlich soll er da nicht fehlen und er weiß genau, wie sehnlichst ich mir seine Anwesenheit wünsche. Doch es schien mir so, als sei es ihm egal. Er will lieber mit seinen Kumpels saufen gehen, was er ja sonst so "selten" tut. Sein Argument ist, er will endlich mal wieder was mit seinen Kollegen machen und meine Freunde will er nicht sehen, die sind ihm scheiß egal.

Jetzt sitze ich hier wieder alleine, und warte darauf, dass eine Stunde um die Nächste verstreicht. Mein Herz tut weh, da wir im Streit auseinandergingen. Dabei wollte ich doch nur, dass er bei mir ist, nur noch diesen einen Tag, so wie wir es uns zuvor auch vorgestellt haben. Doch viele dieser Vorstellungen verliefen sich ins Leere. Ich habe versucht, in der Zeit er hier war, alles für ihn zu tun, damit es ihm gut geht und er unbekümmert und glücklich sein kann. Ich habe auf ihn gehört, niemanden eingeladen, war nur für ihn allein da. Wieso kann er mir nicht jetzt diesen einzigen Gefallen tun, damit auch ich den Tag genießen kann? Oder verlange ich zu viel? Einerseits ja, andererseits nein. Momentan fühle ich nichts mehr. Wofür gibt man sich immer so viel Mühe und versucht es allen Recht zu machen, wenn man am Ende immer wieder enttäuscht wird...

22.7.11 13:54

bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


lukrezia / Website (22.7.11 15:25)
das klingt ja wirklich nach einem dilemma. ich kann verstehen dass du ihn und deinen freundeskreis nicht trennen willst. aber hast du denn mal mit ihm versucht darüber zu sprechen? oder hast du mal gefragt was genau ihn an deinen freunden stört? ich kann mir nicht vorstellen dass leute denen du vertraust, die dir vielleicht sogra ähnlich sind, so furchtbar für ihn sein können.

lg

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